Kleine Reetkunde…

Vielleicht ist die Überschrift etwas zu hochtrabend, aber es steht ja ein „klein“ davor, denn heute möchte ich die Nachfragen, „wie kommt das Reet aufs Dach?“ beantworten:

Nun meistens mit dem Transportkasten (manchmal wird es auch einfach geworfen…). Aber Spaß beiseite. Die einzelnen Reetbunde (bei meinem Dach ca. 3300) werden zusammengebunden auf die Latten gelegt, auseinandergefächtert und dann mit dem Klopfbrett in Form gebracht. Dann kommt der „Knecht“ ins Spiel. Er hält den langen Stangendraht, der quer über das Reet gelegt wird fest. Dieser Stangendraht ist, wie auch der Bindedraht, mit dem nun das Reet an die Stange gebunden/genäht wird, aus nicht rostendem Edelstahl. Früher nahm man auch Tau oder Sisal. Genäht im eigentlichen Sinnen wird heute (zumindest bei Neubauten) nicht mehr. Nun wird der Draht,  der an einer Torx-Schraube, befestigt ist, an die Lattung geschraubt.Mit einem Drillapparat (der aufmerksame Leser erinnert sich an das Rödeln für die Fundamentkörbe…ja es ist das identische Werkzeug!) wird dieser dann von rechts und links über dem Stangendraht zusammengedreht. Somit ist eine Lage Reet nun ganz fest mit der Unterkonstruktion verbunden. Der Reetdachdecker arbeitet sich nun von unten zum First das Dach hinauf, immer eine Lage Reet in Form bringen – den Stangendraht drüber, fixieren mit dem Knecht und festdrillen. So entsteht ein überraschend festes Dach, das den Namen „Weichdach“ nicht ganz verdient hat.

Liest sich einfach, ist aber doch ziemlich schwierig: z.B. kann man beim Draht „nähen“, ja nicht sehen wo gerade die Nadel sitzt und wann man nach oben kommen muss. Da braucht der Dachdecker schon viel Erfahrung und Gefühl. Gerade bei den ja fast senkrecht aufstrebenden Gaubenseiten müssen viele Knechte und noch mehr Handwerk angewendet werden.  Oben am First wird das Reet abgeschnitten und mit Heidekraut „bedeckt“. Unter dem allerdings noch der Firstlüfter eingebaut ist, damit das Reet durch den Kamineffekt (unten Lüfter – oben Lüfter) gut austrocknen kann.

Am Ende wird alles Reet noch einmal (und noch einmal, und noch einmal…) in Form geklopft. Und wer dem Reetdachdecker über die Schulter schaut, hat das Gefühl, dass das Klopfbrett doch das wichtigste Werkzeug ist… Aber noch wichtiger ist wohl der „Deckstuhl“ eine kurze Leiter mit Stahlhaken, die hinter die Lattung geschoben werden und so die Standsicherheit auf dem Dach garantieren!

Aber die allerwichtigste Zutat ist die Liebe zum Beruf. Und da haben sich mit Meister Reimer und dem Reet die beiden Richtigen getroffen!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.